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Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

erst eins, dann zwei, dann drei …
hier ist sie, unsere Weihnachtsausgabe.

Im ersten Artikel der Bericht über einen neuen Stern am internationalen Papiertheater-Himmel, das Treffen in Wien.

Dann Gedanken des unverbesserlichen Optimisten Uwe Warrach zum – richtig: Papiertheater.

Ted Hawkins erzählt das Abenteuer seiner Inszenierung des Webb-Klassikers „The Forest of Bondy“ – erstmals erschienen in der Herbstausgabe 2005 der englischen Zeitschrift „The Puppet Master“. Original ohne Untertitel.

Und als Viertes die Sensation: Eine Neufassung von Charles Dickens’ „Der Weihnachtsabend“ als Fertig-Libretto, direkt für die Aufführung unterm Christbaum.

Zu guter Letzt berichtet unser Zweiter Vorsitzender über die Arbeit unseres Ersten Vorsitzenden – Willers Amtrup über Christian Reuters Wanderausstellung „Bühnenzauber“ in Burg zu Hagen.

Viel Vergnügen bei Theorie und Praxis!

(rs)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

INHALT – Nr. 4 – Dezember 2007 

Norbert Neumann berichtet
vom Papiertheater-Treffen Wien Seite 2

Uwe Warrach hat auch einen Traum … Seite 3

Ted Hawkins erzählt die Entstehungsgeschichte seiner Aufführung „The Forest of Bondy“ Seite 4

SCROOOOOGE!
Fertig-Libretto von Uwe Warrach nach
Charles Dickens „Der Weihnachtsabend“ Seite 5

Bühnenenzauber in der Burg –
Ausstellungskritik von Willers Amtrup Seite 6

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Das PapierTheater Nr.4                    SEITE 2                    Dezember 2007

Wiener Papiertheatertage 2007

Große Premiere
mit kleiner Besetzung

Text und Fotos Norbert Neumann

 

1. Wiener Papiertheater-Treffen

Palais Lobkowitz

 

Ein anderes spannendes Thema war die Restaurierung von Papiertheatern. Als erstes Objekt der noch unbearbeiteten Papiertheater-Sammlung des Theatermuseums war dem Institut für Konservierungund Restaurierung, Akademie der bildenden Künste Wien, ein Theatrum mundi anvertraut worden. Über die Arbeit an diesem Objekt berichtete anschaulich die Restauratorin Martina Haidvogl. Das Objekt ist restauratorisch besonders kompliziert und deshalb interessant, weil es aus verschiedenen, fest miteinander verbundenen Materialien – Papier, Pappe, Holz, Metall, verschiedenen Klebemitteln – besteht. Natürlich entzündete sich daran auch die unvermeidliche Frage: Ist ein Theatrum mundi, also ein Theater oder Diorama, dessen Bewegungsabläufe sich mechanisch gesteuert wiederholen, ein Papiertheater?

Wertvolle Anregungen u. a. zur computermäßigen Erfassung von Papiertheater-Beständen trug  Bärbel Reissmann von der Berliner Theatersammlung bei (sollte sich auch mancher Sammler zu Herzen nehmen – mea culpa). Eine Vision zeichnete sich ab: zwei starke Frauen, warmherzig und kompetent, bilden eine Achse Berlin – Wien und geben dem Papiertheater neuen Schwung.

 

Dass das lebendige Papiertheater nicht zu kurz kam, dafür sorgten das WIENER PAPIERTHEATER, Kamilla und Gert Strauss mit Humperdincks Hänsel und Gretel, PAPIERTHEATER POLLIDOR, Dirk und Barbara Reimers aus Preetz, mit Auf dem Meeresgrund, und das VISCHMARKT PAPIEREN THEATER mit Harry und Tineke Oudekerk aus den Niederlanden mit Die Abenteuer Achmeds, eine Geschichte aus 1001 Nacht. Sie waren es auch, die über den Kreis der Tagungsteilnehmer hinaus Publikum in den Bann des Papiertheaters zogen.

Was man gemeinhin Rahmenprogramm nennt – Führungen durch Staatsoper, Opernmuseum und Theatermuseum im Palais Lobkowitz – war in Wirklichkeit eine Kette unvergesslicher Glanzlichter. Und beim Heurigenbesuch in traditionellen Wiener Beiseln zeigte Karin Neuwirth eine weitere Seite ihrer Kompetenzen.

Richard Teschner (1879–1948) ist eine Ikone des Marionettentheaters, sein reicher Nachlass wird im Österreichischen Theatermuseum von Karin Neuwirth betreut. Vor dem kreisrunden Bühnenausschnitt seines Theaters, dem FIGURENSPIEGEL, klang das Wiener Treffen aus. Was bleibt ist die Hoffnung, dass sich das Forum Papiertheater bald einmal zu einem Symposium in Wien versammelt und die Gewissheit, dass das Papiertheater im Herzen der Theaterstadt Wien einen Platz gefunden hat.

 

1 Wiener Papiertheatertreffen

Bei der Eröffnung des 1. Wiener Papiertheater-Treffens fand der  – hier noch nicht ganze komplette – Teilnehmerkreis um einen großen Tisch Platz.

 

1 Wiener Papiertheatertreffen

Kuratorin Karin Neuwirth präsentierte der Versammlung eingangs einige der noch unbekannten Schätze aus der Papiertheater-Sammlung des Österreichischen Theatermuseums.
Hier eine kleine Burg, ein dreidimensionales Setzstück von einem unbekannten Künstler.

 

1 Wiener Papiertheatertreffen

Wo demnächst wieder der Wiener Opernball tanzt, erlebten wir bei der Führung durch die Staatsoper den Aufbau der Kulissen für die Hochzeit des Figaro.

 

1 Wiener Papiertheatertreffen

Ein besonderes Geschenk machte Sammler Dr. Herbert Zwiauer dem Wiener Treffen mit einer Ausstellung sämtlicher Trentsensky-Theater. Hier das Proszenium im ägyptischen Stil mit der Apollo-Hauptkurtine.

 

 

1 Wiener Papiertheatertreffen

Szene aus der Oper „Lohengrin“ auf einem der großen Trentsensky-Theater.

 

1 Wiener Papiertheatertreffen

Mittelalterlicher Brautzug. Ausschnitt aus einem großen handgearbeiteten Diorama von einem unbekannten Künstler.

 

1 Wiener Papiertheatertreffen

Theaterzettel zu „Turandot“, zu der das Östertreichische Theatermuseum die Figurenentwürfe und  Herbert Zwiauer den Trentsensky-Figurenbogen  beisteuern konnten.

 

1 Wiener Papiertheatertreffen

Im  Magazin: Architekt und Wiener Papiertheaterspieler Gert Strauss hält einen handgemalten Hintergrund gegen das Licht. Deutlich ist zu erkennen: Durch Verschieben der Wolken kann man den Mond aufgehen oder Blitze zucken lassen.

 

1 Wiener Papiertheatertreffen

Tief unter derm Wiener Pflaster, im Papiertheater-Magazin des Theatermuseums, hat Karin Neuwirth (rechts) begonnen, ungeahnte Schätze aus dem Dornröschenschlaf zu erwecken.
Hier im begeisterten fachlichen Austausch mit Bärbel Reissmann von der Berliner Theatersammlung.

 

1 Wiener Papiertheatertreffen

Himmlisch, der Blick in die noch ungeordnete Kiste mit Figuren.

 

1 Wiener Papiertheatertreffen

Stimmungsvoller Abschluss des Treffens: Im Teschner-Raum des Palais Lobkowitz erläutern die Puppenspieler nach der Vorstellung die Marionetten aus der Nähe.

 

1 Wiener Papiertheatertreffen

Palais Lobkowitz

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Das PapierTheater Nr.4                    SEITE 3                    Dezember 2007

Kommentar

Ich habe auch einen Traum …

Von Uwe Warrach

 

elektronische Medien.Ja, auch die Schulen und Hochschulen erschließen sich diese Welt, in der Sprache, Musik, Malerei, Bildende Kunst, Schauspiel vereinigt sind. Ein Boom kommt übers Land. Über die Staatsbühnen, die uns seit Jahren die Ohren über ignorante Kritiker, dummes Publikum und knappe Subventionen voll jammern, rauscht hingegen das Unglück der leeren Stuhlreihen, denn die geschmähte Menschenmasse, die der krampfhaften Nackt- und Pinkelszenen überdrüssig ist, spart die Eintrittsgelder für seine Kulissen, Bühnen und Figuren. Den nachgespielten Klassikern folgen eigene Dramen, sie alle müssen sich bewähren vor den immer kritischer werdenden Blicken der Papiertheaterzuschauer. Immer neue Festivals werden gegründet, der Papiertheaterverein hat nun 10.000 Mitglieder und muss hauptamtliches Personal einstellen, in Hamburg muss das CCH für das Internationale Festival mit 30.000 Besuchern herhalten!

Die Welle ist längst in die Nachbarländer übergeschwappt, internationaler Austausch führt vor allem Kinder und Jugendliche in alle Länder der Welt. In den Entwicklungsländern lernen die Kinder spielend Konflikte erkennen und vermeiden, die ersten Schritte zum großen Weltfrieden –

 

Wie? Was? Hab ich geschlafen, hab ich geträumt, ging etwas schief? Ja, ja, ich wache ja schon auf. Wir haben 120 Mitglieder und hatten 1.800 Besucher in Preetz, immerhin 200 mehr als im Vorjahr. Aber es war auch das zwanzigste Treffen. Noch sind die Regale in den Spielzeugabteilungen der Kaufhäuser voller Computer und CD-Player schon für Dreijährige, Handys für Einjährige, rosa Plastikschlösser für bonbonsüße Püppchen, ich weiß. Kinder ersticken an Massenware aus China, nicht nur symbolisch gesprochen. Und deshalb träume ich mir was.

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Das PapierTheater Nr.4                    SEITE 4                    Dezember 2007

Field Report

A Journey through
THE FOREST OF BONDY

by Ted Hawkins

Nachdruck aus „The Puppet Master Autumn 2005“

 

The Forest of Bondy

Scene from The Forest of Bondy

 

The Forest of Bondy

Scene from The Forest of Bondy

 

The forest of Bondy

The ingenious Mechanism to get the dog over the gate

 

being woken up by the dog) and after thus discovering the murdered body of Aubrie, returns to the inn, almost collapsing, shouting „Murder! Murder! Help!“ to awaken everyone. Needless to say, by the time we had rehearsed this part over and over again, Enid had achieved a very real state of breathless exhaustion!

 

So as the months passed, with the script recorded, and sound effects added, we began rehearsals. By July we were struggling, and only halfway through the first scene, and it was even doubtful whether we would be able to master this long and involved play. In real life, Gertrude, (or rather my wife), was indeed, once again, reaching a state of breathless exhaustion, from me getting more then slightly exasperated when she sometimes put in a character backwards!

In August we were trying to maintain daily rehearsals, but were still only on that first scene! There was a real possibility that I would have to call off Broadstairs, as I could not have gone down, knowing that we could not perform the play.

 

Luckily, by mid-August, Ursula or should I say Rachel, my granddaughter had stepped into Gertrude's shoes and joined me in the backstage performance, thankfully releasing my wife from her worrying task. With new young blood, and a new young brain, it seemed possible that we might succeed. Though by now, there were only about four usable weeks left before Broadstairs, and the rest of the play, another seven scenes, still had to be tried!

So, behind the scenes in The Forest of Bondy, there will be Rachel and myself doing the actual manipulation, while my wife will be assisting backstage, to keep things moving, passing us characters and scenery, and taking them from us. It still seems an impossibility to me, but already it has been the biggest and most difficult task that I have ever attempted, but, all being well, it could also be the most satisfying and enjoyable. We will see.

 

Although The Forest of Bondy has been so difficult and time consuming, it has brought in my wife and family, to share this unique experience, just as a Victorian family may have worked togehter to produce and perform on of the old „Penny plain tuppence coloured“ plays, supplying their voices, and possibly sharing that special backstage excitement.

But at the time of writing, there is still Broadstairs to come. So the end of the story is still to be told.

Will we get to Broadstairs? And how will we fare, up among the „big boys“?

 

– Stop Press News –

– The Broadstairs Broadsheed –

Webb Toy Theatre Festival
a huge success

Forrest of Bondy receives wide acclaim

 

The first of those two imagined headlines was more than likely to have been a reality, but the second would have been perhaps to much for me to expect!

However it has proved nearer to reality than I could have hoped for. A tense time, as one false step could have spelled desaster. Rachel and I backed up by Enid trod carefully through two performances and breathed a sign of relief when each final curtain was lowered. The cheers and applause and congratulations were more than worth all the work and worries over the last year and for Rachel, her Toy Theatre debut was an experience to remember all her life.

So The Forest of Bondy had a very happy ending.

 

The Forest of Bondy

TED HAWKINS‘ „WEBB APOLLO THEATRE“ – Rachel, Enid, Ted
and ted's theatre, made especially for this performance

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Das PapierTheater Nr.4                    SEITE 5                    Dezember 2007

Originaltext

SCROOOOOGE!

Eigentlich: „Der Weihnachtsabend“ (Christmas Carol) von Charles Dickens,
mehrmals verfilmt, häufig als Weihnachtsmärchen auf der Bühne,
in Das PapierTheater zu Weihnachten als Fertig-Libretto für Papiertheaterspieler
in einer Bearbeitung von Uwe Warrach.

 




Merry old England –
Fred auf dem Weg zu Scrooge

Scrooge

 

OFF: Dies ist das Kontor der Firma Marley & Scrooge. Und es ist Weihnachtsabend. Halt, Moment, Fred (Neffe stoppt) – Mr. Scrooge’s Neffe Fred möchte seinem Onkel gerade ein Frohes Fest wünschen, obwohl – aber das werden wir ja gleich sehen. Wir müssen nur eines vorweg ganz klar machen, das ist sehr, sehr wichtig, denn sonst versteht man die ganze Geschichte nicht:
Also: Marley von Marley & Scrooge ist schon lange tot. Er hängt da nur noch als Gemälde an der Wand. Folglich besteht die Firma allein aus Mr. Scrooge – soviel zum Anfang. Also merken wir uns bitte: Mister Marley ist mausetot …

2. Szene: In Scrooge’s Kontor

Während dieser Szene wird es draußen allmählich dunkel
... und das ist Mr. Scrooge. Es ist saukalt hier, weil das für den heutigen Arbeitstag von Mr. Scrooge genehmigte Stück Kohle aufgebraucht ist. Die Kirchenglocken rufen gerade zur Weihnachtsandacht Kirchenglocken, als Mr. Scrooge’s Neffe Fred, den wir einen Moment draußen aufgehalten haben, herein stürmt.

Fred: Frohe Weihnachten, Onkel! Gott behüte Sie!
Scrooge: Hä?
Fred (lachend, laut): Nehmen Sie doch die Kopfhörer ab, lieber Onkel!!
Scrooge: Kopfhörer? Das sind Ohrenschützer, du Affe!
Fred: Wovor schützen Sie denn Ihre Ohren, lieber Onkel?
Scrooge: Vor dummerhaftigen Redensarten meines Neffen, zum Beispiel! Und vor der Kälte, du Armleuchter!
Fred: Warum machen Sie nicht den Ofen an?
Scrooge: Weil wir uns warm arbeiten! Das nennt man Synergieeffekt, aber davon hast du Verschwender ja keinen blassen Schimmer!
Fred (unbeeindruckt): Frohe Weihnachten, Onkel! …

 

Der vollstÄndige Text – PDF zum Herunterladen und Ausdrucken

Achtung! Bei öffentlichen Aufführungen Urheberrechte für die vorgeschlagene Musik, evtl. auch für Bühnenbilder und Figurinen beachten (siehe dazu Das PapierTheater Nr. 2 / September 2007)

 





Nach dem Schreckenstraum –
Scrooge am Weihnachtsmorgen

 

Scrooge

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Das PapierTheater Nr.4                    SEITE 6                    Dezember 2007

Ausstellungskritik

Bühnenzauber in der Burg

von Willers Amtrup

 

 

seiner Vorläufer und werden in mehreren Vitrinen und durch zahlreiche an den Wänden aufgehängte Bogen eindrucksvoll ergänzt. Selbst „alte Hasen“ können in dieser Ausstellung noch Dinge entdecken, die man entweder noch nie gesehen hatte oder nur aus Abbildungen kannte.

Christian Reuter hatte außerdem einen sehr ausführlichen Katalog zur Ausstellung verfaßt, der, wenn auch nur in schwarz/weiß, alle ausgestellten Bühnen und (im Kleinformat) alle Bogen abbildet und einen ausführlichen Text zur Geschichte und Entwicklung des Papiertheaters enthält; dieses (preiswerte!) Bändchen eignet sich vorzüglich als Einführung in die Materie für Neueinsteiger! (Zu beziehen über den Kultur- und Heimatverein, Burgallee 1, 27628 Hagen)

 

Der Vortragssaal des Museums war zur Vernissage dicht gefüllt, und die Gäste kamen in den Genuß eines überaus launigen, lebhaft beklatschten Einführungsvortrags von Norbert Neumann. Einen solchen lockeren Streifzug durch die verschiedenen Aspekte des Papiertheaters, niemals bierernst, sondern gewürzt durch Anekdoten und eigene Theatralik und doch gespickt mit zahllosen Informationen zum Thema macht ihm so leicht keiner nach. Es war deutlich zu spüren, daß für die meisten der Zuhörer Papiertheater etwas vollkommen Neues war und daß sie diese Einführung begeistert aufnahmen.

 

Eingang

Ausstellungsfoyer

 

Weserkurier

Der Weserkurier vom 26. November 2007  – zum VergrÖssern auf das Bild klicken

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