Forum Papier­theater e.V.

6. April 2022

6. Münchner Papiertheaterfestival „Alles Papier“ – 20. bis 23. Oktober 2022

„Große Dramen auf kleiner Bühne“

Unter dieses Motto stellt Veranstalterin Liselotte Bothe vom Kleinen Theater im Pförtnerhaus ihr diesjähriges

6. Münchner Papiertheaterfestival „Alles Papier“ im Bürgerpark Oberföhring.

Vom 20.bis zum 23. Oktober 2022 sollen diesmal fünf bis sechs Bühnen beweisen, dass auch Klassiker und Abenteuergeschichten das Kleinstformat der Papiertheaterbühnen nicht zu sprengen vermögen. Bewerben kann sich, wer meint, zu diesem Motto passende Inszenierungen anbieten zu können und Lust hat, in München zu spielen.


Angebot

Das Festival bietet den Spielern Unterkunft für vier, bzw. fünf Nächte im nahegelegenen, komfortablen Feringa-Hotel, gemeinsame Mahlzeiten auf dem Festivalgelände, ein temporäres „eigenes“ Theater in den Gebäuden des Bürgerparks sowie eine Fahrtkostenerstattung.

 


Gesucht

Wie immer werden Bühnen gesucht, die bereit sind, an vier Tagen jeweils ein Stück für Grundschulkinder sowie ein Stück für Familien und/oder Erwachsene aufzuführen.

 


Bewerbung

Damit die Finanzierung rechtzeitig beantragt werden kann, sollte die Bewerbung bis spätestens Anfang Mai erfolgen unter:

papiertheaterfestival.muenchen@gmail.com


Ablauf

Anreise und Aufbau werden am Mittwoch erwartet, da die ersten Vorstellungen am Donnerstagmorgen stattfinden. Wie auch am Freitagvormittag sind pro Bühne normalerweise zwei geschlossene Aufführungen der Kinderstücke für Schulklassen vorgesehen.
Am Donnerstagabend findet die offizielle Eröffnung statt. Im Anschluss an einen Papiertheaterspaziergang durch den Bürgerpark, bei dem die Bühnen in ihren Pavillons mit kurzen Szenen einen Einblick in Ihre Spielweise geben, gibt es eine zentrale Eröffnungsvorstellung.
Ab Freitagnachmittag, am Samstag und am Sonntag sind die freiverkäuflichen Vorstellungen für Erwachsene und Familien vorgesehen. Die jeweils mögliche Anzahl der Aufführungen wird, wie immer, mit den Bühnen abgesprochen.
Am Sonntagnachmittag endet das Festival. Einige Spieler bleiben bis zum Schluss, für die Übrigen ist auch eine Abfahrt bereits Sonntagmorgen möglich.

Für alle, die jetzt noch nicht auf den Geschmack gekommen sind, berichtet Liselotte Bothe vom unter schwierigen Bedingungen durchgeführten Festival 2021:

 


Das 5. Münchner Papiertheaterfestival „Alles Papier“
im Bürgerpark Oberföhring

von Liselotte Bothe

Es begann stürmisch; in den frühen Morgenstunden des Donnerstags fegte ein heftiger Sturm durch München und riss auch im Bürgerpark die bunten Blätter von den Bäumen. Große Laubhaufen säumten Wege und Straßen, es regnete und so stand zu befürchten, dass die Schulklassen, die zu den ersten Aufführungen kommen sollten, auf Grund des Wetters absagen würden. Doch tapfer trotzten Lehrerinnen und Kinder dem üblen Wetter und kämpften sich von ihrer Schule zum Bürgerpark. Der Wind hatte sich inzwischen beruhigt, der Regen aufgehört, als nach einer Stunde begeisterte Lehrerinnen und Kinder mit leuchtenden Augen den Bürgerpark wieder verließen. Von Stunde zu Stunde verbesserte sich das Wetter und hielt sich dann mit immer wieder Sonnenschein das ganze Festival über angenehm frühherbstlich.

Lange Zeit war es ungewiss gewesen ob das Festival überhaupt wie geplant würde stattfinden können: ständig neue Vorgaben, die Erkrankung eines Spielers und damit der Ausfall einer Bühne, machten mehrfache Umplanungen nötig.
Nach reiflicher Überlegung wurde das Festival schließlich unter 3G Plus Vorgaben durchgeführt, damit die Papiertheateraufführungen unter den bestmöglichen Bedingungen stattfinden konnten. Das hieß allerdings wieder: Besucherlisten für jede einzelne Vorstellung zu erstellen und Impfpässe zu kontrollieren. Dafür ausreichend Helfer zu gewinnen – der Vorlesungsbetrieb der Unis hatte gerade wieder begonnen – gelang nach anfänglichen Schwierigkeiten zum Glück.

Die offizielle Eröffnung am Abend wurde mit viel Lob bedacht. Nach einem kleinen Einführungsvortrag wanderte man von Pavillon zu Pavillon und bekam in kurzen Szenen von den verschiedenen Bühnen einen Einblick in die Vielfalt des Papiertheaters vermittelt. Im Anschluss bezauberte das Robert Jährig mit seiner Premierenvorstellung „Die Reise um die Erde in 80 Tagen“ von Jules Verne.
Die Nachfrage war trotz der umständlichen Anmeldeprozedur unerwartet höher als im letzten Jahr, 25 Prozent mehr Zuschauer besuchten an den vier Festivaltagen die Vorstellungen. Zahlreiche Besucher nutzten die günstigen Mehrfachtickets und besuchten mehrere Vorstellungen. Nahezu alle Vorstellungen fanden statt und waren mit wenigen Ausnahmen gut bis sehr gut besucht. Den guten Ruf den das Festival inzwischen erworben hat, bestätigten wieder Bestellungen aus anderen Bundesländern. An den enthusiastischen Einträgen in unser Gästebuch lässt sich die Begeisterung der Zuschauer unschwer ablesen.

Besondere Begeisterung rief „Der kleine Prinz“ des Papiertheaters Invisius (Rüdiger Koch) hervor. Ursprünglich mit einer Tonaufnahme geplant, konnten wir tatsächlich eine Rekonstruktion der Originalaufführung genießen, denn vom Budget der ausgefallenen Bühne wurde Alexander Spemann engagiert, der die Vorstellung auf dem Vibraphon begleitete.
Nicht zu vergessen seien aber auch die anderen Bühnen, die mit ihren Inszenierungen das bunte Programm des Festivals prägten, so Hannes Papirnik aus Essen mit seiner witzigen Opernadaption der „Verkauften Braut“, das Papiertheater am Ring von Sabine und Armin Ruf mit der Flotow Oper „Martha – oder Der Markt von Richmond“ und der entzückenden Kindergeschichte „Das bunte Kamel“, die so große Nachfrage erfuhr, dass eine zusätzliche Vorstellung stattfand. Auch die völlig andersartigen Inszenierungen der Warendorfer Bühne „andersARTig“ von Manfred Kronenberg und Dieter Lehmann begeisterten mit der Uraufführung, ihrer „Märchenhaften Reise“ mit je einer Version für Kinder- und Erwachsene.

Eine weitere Uraufführung war Gabrieles Brunschs „Das Hauchen des Windes“, einer fiktiven Geschichte vom japanischen Kaiserhof. Für Kinder hatte sie den „Schönsten Augenblick“ im Gepäck. Eine Premiere war Robert Jährigs (Papiertheater Heringsdorf) Inszenierung von Jules Vernes Theaterstück „Reise um die Erde in 80 Tagen“ der mit einer ergänzenden Ausstellung die die Geschichte dieses heutzutage recht unbekannten Theaterstücks beleuchtete. Gerade diese Inszenierung regte zu interessanten Diskussionen an, inwieweit der museale Charakter eines Stücks erhalten bleiben soll oder der Ethik unserer Zeit angepasst werden muss.

Nicht nur die gemeinsamen Mahlzeiten im Speiseraum führten die Spieler zusammen, auch der Künstler-Treffpunkt im kleinen Theatercafé wurde rege zum Austausch von Inszenierungsideen, neuen technischen Möglichkeiten oder einfach zum „Ratschen“ genutzt.
Auch der Papiertheater-Workshop war überdurchschnittlich gut besucht und entließ wieder einige begeisterte neue Papiertheaterfans.
Unser besonderer Dank geht an das Forum Papiertheater Hanau e.V. für die finanzielle Unterstützung.

Wahrlich ein interessantes und buntes Festival das Zuschauer, Spieler und Festival-Team begeisterte!