Zwei Koryphäen des Papiertheaters

von Christian Reuter


Im letzten Heft von DAS PAPIERTHEATER veröffentlichten wir den Artikel „Dr. Hans Wiesecke, ein unbekannter, bekannter Spieler“ in dem wir den begeisterten Papiertheaterspieler und Tüftler vorstellten.
Als künftigen Ingenieur interessierte den 1893 geborenen Hans Wiesecke seit früher Jugend nicht nur das Theaterspiel sondern auch der Theaterbau. Dass es, neben den dünnen Bändchen von Elm und Eickemeier, kaum Bücher über das Papiertheater gab, veranlasste ihn noch während des Krieges, seine Erfahrungen aufzuzeichnen, ohne jedoch eine Veröffentlichung anzustreben. Auf seiner Suche nach Gleichgesinnten stieß er 1964 in einer Buchhandlung auf das gerade erschienene Buch „Große Liebe zu kleinen Theatern“ von Walter Röhler.
Röhler hatte damit das bis dahin einzige deutsche Buch über die Geschichte des Papiertheaters geschrieben. Er war, wie Wiesecke, über den kindlichen Theaterbesuch zum Puppentheaterspiel und dann zum Papiertheater gekommen. Anders als dieser hatte er aber sofort die Fülle der Verlage, der Angebote und Möglichkeiten des Mediums erfasst. So wurde Röhler schnell vom Spieler zum Sammler, weil ihn die Vielfalt und die Geschichte dieser wunderbaren Bogen und Bühnen interessierte.

Wiesecke war fasziniert, nahm sofort brieflich Kontakt auf und schilderte Walter Röhler seine Papiertheatergeschichte und-kenntnisse. Röhler setzte stante pede einen Antwortbrief an Wiesecke auf, in dem er seine Entwicklung mit dem Papiertheater beschrieb.
Ihr jeweiliger Umgang mit dem Papiertheater unterschied sich sehr. Aber beide waren so interessiert aneinander, dass sich ein reger Briefwechsel mit Gedanken- und Materialaustausch entwickelte, der erst 1974 durch Röhlers Tod beendet wurde. Kopien von 72 Briefen Wieseckes und 63 Briefe von Röhler sind im Nachlass Hans Wieseckes erhalten, wenn auch das beigelegte Material nur bei den Briefen Röhlers, wenigstens teilweise, erhalten ist. Darunter befinden sich u.a. eine (unvollständige) Liste der Röhler-Sammlung und eine Reihe von Fotos zu Bühnen und zur Bühnentechnik, wie auch Kopien der frühen Ausgaben der dänischen Zeitschrift „Suffløren“, aus denen Wiesecke zahlreiche Artikel ins Deutsche übersetzen sollte.

Wir freuen uns, die beiden ersten Briefe dieser Papiertheater-Enthusiasten als faksimilierte Typoskripte mit handschriftlichen Anmerkungen in unserer Web- Zeitschrift veröffentlichen zu dürfen. Sie beschreiben die Werdegänge dieser beiden großen und frühen Männer des Papiertheaters mit aller Unterschiedlichkeit ihrer Ansichten und Arbeitsweisen. Wir halten sie für ein wichtiges Zeugnis über den Umgang mit dem Papiertheater im 20. Jahrhundert.

Entwurf Dr. H.Wieseke Brief an W.Röhler

Brief W.Röhler an Dr. H.Wieseke

Meine Begegnung mit dem Kindertheater von Dr.H.Wieseke



Anmerkung der Redaktion:
Diese Briefe sind nur der Auftakt zu einer im Laufe des nächsten Jahres fortzu- setzenden Reihe von schriftlichen Dokumenten, die Hans Wiesecke im Laufe seines Lebens zum ema Papiertheater schrieb, aber leider nie veröffentlich- te. Die Publikationserlaubnis umfasst bisher den 1942 entstandenen Versuch eines grundlegenden technischen Kompendiums unter dem Titel „Das schöne Kindertheater“ sowie seinen Text „Meine Begegnung mit dem Kindertheater – Historisches und Persönliches“ von 1946. Beide werden, begleitet von einem einführenden Aufsatz, bis Ostern 2016 auf www.papiertheater.eu unter der Rubrik „Wiesecke-Archiv“ erscheinen. Weitere Texte werden hoffentlich folgen.